Von:
Hans Bald

e-religionsunterricht.de

Die Szene ist nicht erfunden: Der Siebtklässler fragt etwas herablassend seine Lehrerin: "Sie sind doch eigentlich ein ganz gescheiter Mensch. Wie kann jemand wie Sie ausgerechnet ein solches Fach unterrichten?"

Das Fach, um das es geht, ist Religion, die Lehrerin ist Religionslehrerin. Es ist zu vermuten, dass mit "gescheit" nicht auf die Intelligenz der Lehrerin angespielt wurde, sondern dass diese Bemerkung eher die Frage enthielt, worin denn der Wert dieses Faches bestehe - für die, die es unterrichten, und für die, die unterrichtet werden. Warum macht jemand ein Fach zum Inhalt seines Berufslebens, das sich zwar einerseits dadurch auszeichnet, dass es als einziges aller Schulfächer im Grundgesetz (Art.7) abgesichert ist, das andererseits aber oft neben den "harten" Fächern wie Deutsch oder Mathe als "weich" und das heißt als doch nicht so notwendig gilt?

"Ich unterrichte das Fach", sagte die Lehrerin, "weil es darin um Fragen geht, die so wichtig sind, dass sich jeder Mensch damit beschäftigen sollte unabhängig davon, ob er 'gläubig' ist oder nicht."

Man hat den Religionsunterricht als "das kleine Fach der großen Fragen" bezeichnet. Und das gilt nicht nur für die Grundschülerinnen und Grundschüler, die den Religionsunterricht oft ihr Lieblingsfach nennen. Es gilt auch und gerade dann, wenn Schülerinnen und Schüler mit zunehmendem Alter dem Fach Religion kritischer als bisher begegnen.

Der Religionsunterricht eröffnet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Lebensfragen im Horizont der christlichen Tradition, insbesondere des Gottesglaubens sowie im Kontext der gegenwärtigen Weltwirklichkeit zu stellen und in der Begegnung und Auseinandersetzung damit eigene begründete Antworten zu suchen.

Persönlicher hat es die erwähnte Lehrerin ausgedrückt, als sie im Klassenzimmer von dem Gespräch mit dem Schüler erzählte: "Der Religionsunterricht bringt die Perspektive des christlichen Glaubens als offenes Angebot in die Schule ein, eine Perspektive, der ich aus meiner eigenen Erfahrung zutraue, dass sie sich als orientierend, sinnstiftend und lebensförderlich erweist. Wenn es den Religionsunterricht nicht schon gäbe, müsste man ihn erfinden."